In bewaffneten Konflikten handelt das Rote Kreuz auf der Basis des Internationalen Völkerrechts. Was bedeutet das eigentlich?

Im letzten Jahr sind weltweit 40 Kriege und bewaffnete Konflikte geführt worden – vorwiegend in Asien, Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten. Viele davon schaffen es nicht in die Schlagzeilen. Ebenso wenig wie die schätzungsweise 330 schwelenden und verhärteten Konflikte, die immer wieder in Gewalt ausbrechen können.
Die Ursachen von Konflikten sind vielfältig: Der Glaube an eine Religion oder eine Ideologie. Der Wille, ein politisches System zu stürzen. Der Kampf um Unabhängigkeit. Der Griff nach Ressourcen wie Diamanten, Öl und Edelhölzer.
Für die betroffenen Menschen bedeutet Waffengewalt unermessliches, oft lebenslanges Leid. Verlust und Traumata sind kaum zu bewältigen. Kann man überhaupt helfen und lindern? Kann man nicht schon im Vorfeld verhindern?

Eine humanitäre Bewegung wie das Rote Kreuz bzw. der Rote Halbmond steht dem Krieg direkt entgegen und hat sein Handeln dennoch mit ihm verwoben. Wie kann das gehen?
Das Rote Kreuz/Rote Halbmond bezieht sich auf das Internationale humanitäre Völkerrecht mit dem Ziel, das Kriegsleid einzudämmen. Die Regeln des Internationalen Völkerrechts dienen dem Schutz und der Versorgung von Zivilisten und jenen Personen, die nicht mehr am Krieg teilnehmen, wie etwa Kriegsgefangene und Verwundete. Demnach dürfen z. B. Zivilpersonen niemals angegriffen werden, Kriegsgefangene und Verwundete nicht umgebracht oder gefoltert werden, Mittel der Kriegsführung, die überflüssiges Leid verursachen, nicht eingesetzt werden.


Die Embleme des Roten Kreuzes, Roten Halbmondes und Roten Kristalls sind Schutzzeichen. Sie symbolisieren in Krisenregionen einen geschützten Bereich, in dem Zivilisten und Kriegsversehrte einen Zufluchtsort finden können. Das ist nur möglich durch die neutrale und unabhängige Ausrichtung des Rote Kreuzes/Roten Halbmondes. Gerade weil das Rote Kreuz nicht Partei ergreift und sich ausschließlich auf die Notsituation der Menschen konzentriert, kann es seinem humanitären Auftrag nachgehen.

Der humanitäre Auftrag – das ist jeden Tag erneut eine immense Herausforderung, bedenkt man, dass das Internationale Völkerrecht sich auf Zeiten extremer Gewalt bezieht, in denen Gesetze einfach überrannt werden. Es gibt unzählige Beispiele, die das Internationale Völkerrecht brechen. Und die Kriegsopfer sind in steigender Anzahl Zivilisten. Umso dringender bleibt es, nach der effektiven Befolgung des Völkerrechts zu streben. Denn so viele Brüche es auch geben mag, so viele positive Fälle gibt es auch, in denen das Internationale Völkerrecht einen Unterschied gemacht hat – im Einsatz von barbarischen Waffen und im Schutz von Zivilisten, Gefangenen, Verletzten.
Gabi Debatin
International humanitarian law: A universal code
Ist das Internationale Völkerrecht noch ein zeitgemäßes Mittel, um Menschen zu schützen, die von bewaffneten Konflikten betroffen sind?
Der Film zeigt die unsicheren Bedingungen, mit denen die Zivilbevölkerung häufig konfrontiert ist. Menschen werden zu Flüchtlingen oder zu Geiseln und sind den Gefahren von Streubomben ausgesetzt.
Der Film erzählt von den wichtigsten Regeln des Völkerrechts und erinnert uns alle an die Verantwortung, es zu respektieren.
Das Youtube-Video ist in (recht anspruchsvoller) englischer Sprache
Die DVD ist multi-lingual: Englisch, Französisch, Deutsch. Laufzeit: 13 Minuten,
Preis: 20 CHF; ICRC, Genf, 2009. Bestellen
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