112 – die Nummer für alle Fälle

Michael Hohl muss sich in Sekunden richtig entscheiden. Denn als Leitstellendisponent ist er erster Ansprechpartner im Notfall.

Michael Hohl. Foto: Ben Hopp
Michael, 30, ist ausgebildeter Rettungsassistent und arbeitet seit sechs Jahren als Disponent in der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle im oberschwäbischen Biberach (Baden-Württemberg)

„Notruf, Feuerwehr, Rettungsdienst, meine Name ist Hohl, guten Tag.“ Diesen Satz sagt Michael Hohl zig mal am Tag, immer dann, wenn vor ihm auf dem Bildschirm das Notrufsymbol aufblinkt. Wenn er den Anruf entgegennimmt, weiß er nie genau, was ihn erwartet. Atemnot, Druck auf der Brust oder blutige Wunde – in der Regel wählen Leute die 112, wenn sie selbst oder jemand anderes ernsthaft in Not ist. Die Rettungsleitstelle funktioniert als Schaltzentrale für Notfälle aller Art. In Sekundenschnelle muss Michael entscheiden, an wen der Notruf übermittelt wird, denn es kann überlebensnotwendig sein, ob die richtige Hilfe rechtzeitig eintrifft. Mit gezielten Fragen führt er das Gespräch, um schnellstmöglich alle für ihn wichtigen Informationen zu erhalten. Die Anrufer sind in der Regel sehr aufgeregt. „In solchen Fällen steigt die Herausforderung an mich, einen kühlen Kopf zu bewahren und trotz allem adäquat zu alarmieren“, so Michael. „Da steht man schon unter Druck. Dazu kommt, dass ich nicht nur Ansprechpartner für Menschen in Not bin, sondern auch für Rettungsdienst, Krankentransport, Feuerwehr, den Zentralen Notruf der Polizei und den kompletten ehrenamtlichen Bereich des Roten Kreuzes im Landkreis.“

Zwei Rotkreuz-Mitarbeiter einer Leitstelle. Foto: DRK-Bildarchiv
Auch wenn das Telefon Sturm klingelt, muss man als Leitstellendisponent ruhig bleiben

Hilfe für entflogenen Wellensittich

Neben den ernsten Anrufen gibt es auch immer wieder solche über die Michael schmunzeln muss. Wenn beispielsweise eine besorgte Mutter anruft, weil ihr Kind sich Gummibärchen in die Nase geschoben hat. Andere amüsante Einsatzstichworte sind auch „Marder in der Grube“ oder „Entflogener Wellensittich auf dem Baum“. „In manchen Situationen bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich angerufen werde, um Hilfe zu schicken oder ob ich das Opfer von Aufheiterungsversuchen des langweiligen Sonntagnachmittags bin. In der Regel gehe ich aber davon aus, dass die Anrufe ernst gemeint sind. Schließlich ist nichts unmöglich.“

Anspruchsvoller Job mit unregelmäßigen Arbeitszeiten

Wie wird man eigentlich Leitstellendisponent? Michael hat seine „Laufbahn“ mit 12 Jahren bei der Jugendfeuerwehr begonnen. Seitdem hat der heute 28-Jährige viele Lehrgänge im Bereich Rettungsdienst besucht und ist mittlerweile Zugführer bei der Freiwilligen Feuerwehr. Parallel dazu absolvierte er beim Roten Kreuz seinen Zivildienst. „Das war eine schöne Zeit“, erinnert sich Michael. „Es gab eigentlich keinen Tag, an dem ich nicht gerne zur Arbeit gegangen bin. Deshalb habe ich dann für die Ausbildung zum staatlich geprüften Rettungsassistenten entschieden.“ Sein Job als Leitstellendisponent macht ihm auch nach sechs Jahren viel Spaß. Wenn der Stress zu groß wird, kann Michael zu jeder Tages- und Nachtzeit Kollegen zur Unterstützung dazu rufen. Die wenige Zeit, die ihm bei den unregelmäßigen Arbeitszeiten zum Ausspannen bleibt, genießt er: „Ich finde es klasse, mal unter der Woche frei zu haben. Dann fahre ich morgens statt zur Arbeit ins Schwimmbad, setze mich nachmittags gemütlich in ein Cafe und beobachte das hektische Treiben auf den Straßen.“

Benjamin Hopp

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